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AG Deutsch-Jüdische Geschichte

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Verband der Geschichtslehrer Deutschlands

Kreuzzüge

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Der Kreuzzugspogrom 1096 ist eine in die Geschichtsbücher eingegangene Episode des 1. Kreuzzugs und oft auch der didaktische Moment in die jüdische Geschichte einzuführen, d.h. in die Präsenz von Juden am Rhein. Dies trägt dazu bei die jüdische Geschichte von vornherein grundsätzlich als Verfolgungsgeschichte wahrzunehmen, was nicht der historischen Wirklichkeit entspricht und v.a. nicht für die Zeit bis dahin. Der 1. Kreuzzug war ein einschneidender Moment in der jüdischen Geschichte, eben weil es das erste kollektiv begangene Verbrechen an den Juden mit vielen Ermordeten darstellt.

Als eine gute Webseite zum Thema möchten wir hier die von Peter Milger empfehlen, Autor des Buches und der TV-Dokumentation Die Kreuzzüge - Krieg im Namen Gottes, München (Bertelsmann) 1988. Die Seite zitiert antijüdische Quellen zum 1. und zum 2. Kreuzzug: hier.

Weiteres hierzu folgt...

 

Weit weniger bekannt ist, wie es den Juden in Jerusalem bei der Eroberung durch die Kreuzritter erging. Hier folgt ein Auszug aus einem jüdischen Bericht über das Schicksal der Juden nach der Einnahme Jerusalems 1099. (Diese Quelle gibt es auch im Geschichtslehrerforum).

 

FirstCrusade

Illustration einer französischen Bibel von 1250. Wohl fälschlich interpretiert als anachronistische Anspielung auf den 1. Kreuzzug, siehe dazu die Diskussion auf der englischen Seite von Wikipedia.

Die Verquickung von biblischen und zeitgenössischen Szenen, hier gegen die Juden, war jedoch ein übliches Verfahren bei Illustrationen.

Wikimedia Commons

Diskussion

 

Ein Bericht über das Schicksal der Juden nach der Einnahme Jerusalems 1099

Der Bericht wurde von ägyptischen Juden in einer Danksagung für Hilfe und Rettung Jerusalemer Juden gechrieben. Die Beschreibung der Umstände, wie einige eine Gruppe Juden aus Jerusalem entkommen konnten, während die anderen in der Synagoge verbrannten, deckt sich mit den arabischen Berichten, die Amin Maalouf zusammengefasst hat:

Amin Maalouf: Der Heilige Krieg der Barbaren. Die Kreuzzüge aus der Sicht der Araber, München (Diederichs) 1996.

Der folgende Bericht schließt inhaltlich direkt an die in Maalouf beschriebene Eroberung Jerusalems an, und zwar an die Passage, wo berichtet wird, wie der ägyptische Oberbefehlshaber der Stadt, Iftikhar, am Davidsturm mit Saint-Gilles, dem Grafen von Toulouse, ein Abkommen zum freien Abzug seiner Leute aus der Stadt aushandelt . Dies kommt zustande, weil die anderen Kreuzritterführer an anderen Stellen bereits in die Stadt eingedrungen sind und zu plündern begonnen haben. Um nicht zu kurz zu kommen, lässt Saint-Gilles offenbar die Besatzung des Davidsturms und weitere Menschen ziehen in Richtung Askalon, während sie ihm dafür das Tor öffnen (S.66f.). Der nachfolgende Text unterscheidet sich etwas von dieser Darstellung, die Maalouf von dem arabischen Historiker al-Athir übernommen hat, und berichtet vom weiteren Schicksal der Juden.

Der nachfolgende Textauszug erschien auf Hebräisch als Ganzes ursprünglich in: S.D. Goitein, Palestinian Jewry in Early Islamic and Crusader Times, Jerusalem, p.240-250 (hebr.). Er wurde ins Französische übersetzt auszugsweise aufgenommen in: Simon Schwarzfuchs: Les Juifs au temps des Croisades en Occident et en Terre sainte, Paris (Albin Michel) 2005, p.100-102. Die nachfolgende deutsche Version ist eine Übersetzung aus dieser französischen Version.

Einige von denen, die bei den Franken freigekauft worden waren und in Askalon geblieben sind, sind durch Hunger, fehlende Kleidung und Not vom Tode bedroht. Unter denen, die in Gefangenschaft geblieben sind, wurden einige zu Tode gebracht unter den Augen ihrer Gefährten, welche selbst später durch die Folter getötet wurden, die der Befriedigung der Launen ihrer Peiniger diente. Wenn wir solche Dinge über einen Juden erfahren würden, würden wir sie uns zu Herzen nehmen und alles tun, was wir könnten, um ihn zu retten. Gott hat […] den ehrwürdigen Scheich Sahel, Sohn von Yosha, Sohn von Sheaya dem Lobsänger Askalons, der ein Gesandter des Sultans ist, veranlasst, den wenigen Geflohenen Hilfe und Rettung zu geben. Seine Autorität erstreckt sich über Alexandria und man hört auf ihn. Er hat alles getan mit Klugheit und unter Einsatz vieler Mittel, die aufzuzählen zu lange wäre, er konnte sich nicht entschließen die einen freizukaufen und die anderen aufzugeben. Schließlich hat er alle freigekauft, die freigekauft werden konnten, und es blieben nur einige Wenige übrig, darunter ein Junge von acht Jahren. […] Man erzählt, dass die Franken ihm vorschlugen freiwillig zum Christentum zu konvertieren und sie ihm dafür Tausend Wohltaten versprochen hätten, aber er hat ihnen geantwortet, dass er gewiss kein christlicher Priester werden könne und dass die Juden ihn nicht aufgeben würden. […] Er ist immer noch in ihren Händen, im Unterschied zu jenen vereinzelten Juden, die sie nach Antiochia gebracht haben, und zu jenen, die konvertiert sind, nachdem sie keine Geduld mehr hatten. Es ist unmöglich ihn freizukaufen. Gott sei gelobt, wir haben nicht gehört, dass diese verfluchten Männer, die man Ashkenazim [Deutsche]* nennt, irgendeine Frau belästigt oder vergewaltigt hätten, wie es andere tun. Unter denen, die in dieser Situation gerettet wurden, gibt es zum einen die Männer, die am ersten und am zweiten Tag nach dem Kampf fliehen konnten – sie sind mit dem Gouverneur*, der freies Geleit bekam, weggegangen – und zum anderen jene, die von den Franken gefangen genommen worden waren und einige Zeit bei ihnen blieben, bis sie flohen. Es sind ihrer nicht viele. Die meisten von ihnen wurden freigekauft. Einige von ihnen haben zu unserem großen Kummer Folter und Qualen erlitten. Einigen fehlte es an allem, so dass sie sich in dieses Land aufmachten ohne Nahrung und ohne Schutz gegen die Kälte und unterwegs gestorben sind. Andere, auf dem Weg nach Ägypten, haben sich ebenso auf dem Meer verirrt. Einige von jenen, die hier im Land angekommen sind, hatten mir dem Klima zu kämpfen: die meisten wurden von der Seuche heimgesucht und viele sind daran gestorben.

Aus dem Französischen übersetzt und mit Anmerkungen versehen von W. Geiger

 

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* Ashkenazim ist bekannt als Bezeichnung für die deutschen Juden, eigentlich bezieht sich der Begriff aber geographisch auf Deutschland, somit sind hier die Deutschen gemeint.
* Gouverneur:
gemeint ist der General Iftikhar, bekannt aus der Darstellung bei Maalouf.