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Chanukka-LeuchterChanukka-Leuchter Frankfurt a.M. 1680 - Jüdisches Museum Frankfurt

© Jüdisches Mus. Frankfurt

AG Deutsch-Jüdische Geschichte

im

Verband der Geschichtslehrer Deutschlands

Joseph Süß Oppenheimer, später genannt “Jud Süß”

Oppenheimer-Platz3

Einleitung
Links (direkt dorthin)
Bibliographische Angaben (direkt dorthin)
Biographische Skizze (direkt dorthin)
Schaubilder: Finanzierungskette und Geschäftsmodell von Joseph Süß 1733-37 (direkt dorthin)
Material
ien
(direkt dorthin):
Zusammenfassung einiger Dokumente aus der Korrespondenz zwischen Joseph Süß und Herzog Karl Alexander von Württemberg

(c) W. Geiger, 2013

Aus dem Verhör auf dem Hohenneuffen am 28.3.1737, amtliches Protokoll:

 Von was Religion?
Er seye ein gebohrner Jud, habe aber die Religion von einem ehrlichen Menschen.
Ob er sich zur Jüdischen Religion noch dato bekenne?
Ja.

Auch heute noch verschwindet der reale Mensch Joseph Süß Oppenheimer hinter dem Fall “Jud Süß” und die Geschichte aus dem 18. Jh. hinter dem antisemitischen Propagandafilm von Veit Harlan. Man interessiert sich für den Film, den Prozess, nicht für das Leben von Joseph Süß Oppenheimer. Wie auch tendenziell im Allgemeinen, so wird auch hier im Besonderen und in besonderem Maße die jüdische Geschichte vom Antisemitismus überlagert.

Die virtuelle Ausstellung des Landesarchivs Baden-Württemberg präsentiert zum Thema Landstände im Absolutismus in einer Tafel die Regentschaft des Herzogs Karl (damals Carl) Alexander (1733-37), seine Auseinandersetzung mit der ständischen Vertretung und die in Anspruch genommenen ”Dienste des jüdischen Finanziers Joseph Süß Oppenheimer”: ”Nach dem plötzlichen Tod Carl Alexanders 1737 nahmen diese Kreise [= die Landstände] Rache an Oppenheimer, der nach einem widerrechtlichen Kriminalprozess hingerichtet wurde.” Über die Person erfährt man nichts weiter, dafür gibt es aber noch als Illustration eine diffamierende Abbildung von Süß: »Wer großer Herren Gunst missbraucht…« bleibt als Zitat aus der Bildlegende auf der Webseite hervorgehoben und damit im Bewusstsein des Betrachters stehen. Kein historisches Dokument des Angeklagten oder zumindest aus anderer Perspektive wird hier präferiert (z.B. aus seiner Verteidigung vor Gericht), sondern ein Dokument der Anklage: hier.

Weitere Links:

Beschlagnahmte Briefschaften. Der Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppenheimer 1737/38. Ausstellung des Hauptstaats- archivs Stuttgart: hier. Die Online-Präsen tation bietet leider nur wenige Informationen und Materialien, darunter v.a. Auszüge aus dem Verhör Oppen heimers auf dem Hohenneufffen am 28.3.1737: hier.

Die Stiftung Geißstraße in Stuttgart hat anläßlich des Gedenkens an Süß anlässlich seines dreihundertsten Geburtstages 1998 das erste ihrer Gedenkblätter ihm gewidmet, es steht als Download zur Verfügung: hier.

Einen sehr interessanten kritischen Bericht zur Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart 2007 hat Hellmuth G. Haasis ver- fasst: hier. Der freie Forscher und Publizist wird von der akademischen Wissenschaft nicht sehr geschätzt, aber et hat sich nach Selma Stern am intensivsten mit dem Leben und Wirken Joseph Süß Oppenheimers für sein Buch befasst:
Joseph Süß Oppenheimer genannt Jud Süß. Finanzier, Frei- denker, Justizopfer. Reinbek: Rowohlt, 1998.
Zuvor hatte er den Stoff literarisch verarbeitet und mit einem biographischen Essay sowie Dokumenten heraus- gegeben:
Joseph Süß Oppenheimers Rache. Erzählung, Biographischer Essay, Dokumente aus der Haft und dem Prozeß. Mit Illustra- tionen von Jona Mach und historischen Stichen. Blieskastel: Gollenstein, 1994.
Auf seiner Website hat Haasis eine Fülle von Informationen und kritischen Kommentaren zu aktuellen politischen und künstleri- schen Beschäftigungen mit dem Fall seit Mitte der 90er Jahre zusammengestellt, Übersicht hier.
Er selbst hatte zunächst für Dieter Wedel ein Szenario für die Wormser Nibelungenfestspiele 2011 geschrieben, das dann aller- dings zugunsten des Theaterstücks von Joshua Sobol verworfen wurde. Das skizzierte Szenario von Haasis gibt es auch auf seiner Website: hier.

2012 gab es eine Neuinszenierung des Stücks unter verändertem Titel, hieß es 2011 noch: Die Geschichte des Joseph Süß Oppen- heimer, genannt Jud Süß vor schwarz-rot-goldenem Hintergrund, so wurden Titel und Aufführung 2012 im Zeichen der Euro-Krise aktualisiert zu: Das Vermögen des Herrn Süß mit einem bluttriefenden Euro- Zeichen auf dem Plakat (Archiv: hier).

Bibliographische Angaben:

Alexandra Przyrembel / Jörg Schönert (Hg.): »Jud Süß«. Hofjude, lierarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Frankfurt / New York (Campus), 2006.

Gudrun Emberger / Robert Kretschmar (Hg.): Die Quellen sprechen lassen. Der Kriminalprozess gegen Joseph Süß Oppen- heimer 1737/38. Stuttgart (Kohlhammer), 2009.

Volker Gallé (Hg.): Joseph Süss Oppenheimer – Ein Justizmord. Historische Studien zur Situation der Juden im Südwesten und der Hofjuden im 18. Jahrhundert. Worms (Worms-Verlag), 2010.

Wolfgang Geiger: „Schulden und Schuld. Zur Aktualität des Joseph Süß Oppenheimer, später genannt ‚Jud Süß‘“, in: Ders.: Zwischen Urteil und Vorurteil. Jüdische und deutsche Geschichte in der kollektiven Erinnerung. Frankfurt a.M. (Humanities Online), S. 119-163.

Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte., München (G. Müller), 1929, 1973.
Diese erste fundierte Analyse bleibt bis heute neben dem Buch von Haasis (s.o.) die Grundlage aller Untersuchungen zum “Fall Süß”. Es geht jedoch auch ausführlich auf den zeitgeschicht- lichen Kontext ein und enthält im Anhang eine umfang- reiche Sammlung von Dokumenten aus der Korrespondenz zwischen Joseph Süß und Herzog Karl Alexander.

Haus-Oppenheimer1
Süß Oppenheimer

Die Öffentlichkeit interessierte sich für Joseph Süß Oppenheimer erst, nachdem er im März 1737 zum “Fall” wurde nach dem Tod des Herzogs Karl Alexander von Württemberg. Daher gibt es nur bildliche Darstellungen aus der Zeit des Prozesses. Dieses Bild auf einem Flugblatt gilt trotz des diffamierenden Kontexts - “Wer gro- ßer Herren Gunst misbraucht...” - noch als die neutralste Porträ- tierung. Das kleine Abbild unten zeigt den Käfig am Galgen, womit die Darstellung auf den Zeit- punkt nach dem Urteil datiert werden kann.

Wikimedia Commons

Oppenheimer-Platz

Joseph-Süß-Oppenheimer-Platz in Stuttgart, ungefähr an der Stelle der alten Münze. Die Altstadt wurde an dieser Stelle im 2. Weltkrieg vollkommen zerstört.

Fotos: W. Geiger

Oppenheimer-Platz2

Wohnhaus von J. Süß in der Friedrichstr. 34 in Stuttgart.
Links: Lithographie von 1858, aus: Gustav Wais: Alt-Stuttgarts Bauten im Bild, Stuttgart 1951.
Wikimedia Commons
Unten: Foto von 1906 oder früher. André Lambert, Eduard Stahl: Alt-Stuttgarts Baukunst, Stuttgart [1906].
Wikimedia Commons
Die Einträge bei Wikimedia geben ein falsches Jahrhundert für die Zeit an, als Süß dort wohnte (“Anfang 17. Jh.”); Süß konnte das Haus wegen des Wohnverbots für Juden auf Umwegen erst ganz am Ende erwerben, 1736.

Haus-Oppenheimer2
Ludwigsburg1

    HAUS DES JOSEPH SÜSS OPPENHEIMER
    Erbaut um 1726:
    1734-38 im Besitz des Joseph Süß Oppenheimer.
    Geh. Finanzrat von Herzog Carl Alexander.
    Im Hof befand sich 1817-1884
    die erste Ludwigsburger Synagoge.
     

Das Haus in der Mömpelgardstr. 18, das Herzog Carl Alexander seinem Geheimen Finanzienrath Joseph Süß für seine Aufenthalte in Ludwigsburg zur Verfügung stellte.

Es befindet sich direkt gegenüber einem Seiteneingang zum Gelände des Ludwigsburger Schlosses.

Fotos: W. Geiger.

Ludwigsburg2
Ludwigsburg3
Gedenktafel-Hohenneuffen

Gedenktafel in der Festung Hohenneuffen, wo Joseph Süß zuerst inhaftiert war.

Wikimedia Commons

Biographische Skizze:

Aus der Familie Oppenheimer waren im 16. Jh. die Stammeltern des Frankfurter Zweiges von Heidelberg nach Frankfurt gezogen, von ihrer Herkunft her wurden sie auch später noch mit dem Beinamen Heidelburg versehen (siehe Datenbank zur Frankfurter Judengasse). Samuel Oppenheimer, der berühmte Wiener Hoffaktor, entstammte diesem Zweig. Die Mutter von Joseph Süß Oppenheimer, Michele (Michal), stammte aus Frankfurt, der Vater Issachar Süßkind aus der aus Heidelberg, wo Joseph auch 1698 geboren wurde. In den kurpfälzischen Städten Heidelberg und Mannheim, damals den Kriegen Ludwigs XIV. ausgesetzt, gab es damals kein Ghetto.

Nach dem Tod des Vaters 1707 kam Joseph unter die Vormundschaft eines Onkels. Zehn Jahre später scheint er bereits Geschäfte aufgenommen und über Beziehungen zu einem Heidelberger Adligen, aber auch in jüdischen Kreisen, Zugang zum kurpfälzischen Hof gefunden zu haben und zog 1722/24 nach Mannheim. Er arbeitete dort als Rechtsbeistand und Privatbankier, „er pflegte 6 Prozent Zinsen zu nehmen, was im Rahmen des Üblichen blieb.“ (Haasis, S.48). Außerdem trat er in den Dienst des Kurfürsten Karl Philipp und übernahm dort die Pacht über das Stempelpapier 1723-29. Die neue Steuer auf amtliche Dokumente sowie privatrechtliche Dinge, die der offiziellen Beglaubigung bedurften, war so unpopulär wie später in den englischen Kolonien Nordamerikas. Hier machte Süß wichtige Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit der Bürokratie, aber auch in der Kunst die Fürstengunst für sich zu gewinnen, die für seine weitere Karriere wichtig sein sollten. Außerdem unterhielt er Beziehungen nach Frankfurt, wohin seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes wieder zurückgezogen war, und konnte Anfang der 1730er Jahre bereits zwei Zimmer außerhalb des Ghettos anmieten, Grundlage seiner späteren dortigen „Residenz“.

1732 trat Joseph Süß in den Dienst des Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Ernst Ludwig, der vor dem Bankrott stand. Nur mühsam konnte er in Frankfurt noch Kredit bekommen. Süß übernahm für ihn die Errichtung einer Münzanstalt, die das seit den Kriegen virulente Problem der Münzknappheit in der Region lösen sollte, und die Pacht über den Münzbetrieb. Die Rechnung bestand darin Gold billiger einzukaufen als dann der Nennwert der geprägten Münzen sein würde. Außerdem wurde nach dem kurpfälzischen Münzfuß geprägt, der schlechter als der vorgeschriebene Reichmünzfuß war, womit also in Süddeutschland ein Wettlauf um die Münzverschlechterung begann. Im selben Jahr hatte Süß auch schon Kontakt zu dem württembergischen Thronfolger Karl Alexander aufgenommen, der, obwohl Katholik, als Vetter des regierenden Herzogs aufgrund von Thronfolgeproblemen zu dessen Nachfolger auserkoren war. Karl (oder Carl) Alexander war kaisertreuer Generalfeldmarschall und diente in den Kriegen gegen die Türken an der Seite des berühmten Prinzen Eugen, zuletzt als Gouverneur der Militärprovinz Belgrad. Noch vor dessen Thronantritt trat Süß mit einem Kredit von 80.000 Gulden in seinen Dienst.

Im Mai 1733 siedelte Süß nach Frankfurt über, weitere dort seine angemietete Wohnung aus und nannte sich „Hessen-Darmstädtischer und herzoglich württembergischer Hof- und Kriegsfaktor“ – ersteres war er eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr, letzteres noch nicht. Am 9.1.1734 wird er württembergischer „Resident“ in Frankfurt und kann darüber seinen Wohnsitz außerhalb der Judengasse absichern. Bereits im Oktober hatte Karl Alexander ihn unter seinen Schutz gestellt, damals noch als kaiserlicher Statthalter in Belgrad, am 16.12.1733 bestieg der den württembergischen Thron. Süß bot sich daraufhin sofort für allerlei Geschäfte an, vom Juwelenhandel über die Münze zum Kriegslieferanten. Im Januar 1734 bekam Süß dann das Münzgeschäft, für das er sich zuvor für den Darmstädter Landgrafen qualifiziert hatte. Auch hier gestaltete sich die Pacht der Münze schwierig, bürokratischer Schlendrian im eigenen Hause, das delikate Problem des Reichsmünzfußes und die Konkurrenz durch die benachbarten Fürsten brachten seine Geschäftskalkulation immer wieder durcheinander. Nebenbei engagierte sich Süß für den Herzog bei der Ausrüstung von dessen Truppen im Polnischen Erbfolgekrieg 1734-35, was ihm aufgrund der komplizierten Zusammenarbeit mit anderen und den heiklen Terminsetzungen größte Probleme und Feinde bis zum Schluss bescherte. Am 17.8.1725 richtete Süß ein erstes Entlassungsgesuch an den Herzog.

Doch der Herzog entließ seinen Hoffaktor nicht, er band ihn noch stärker an sich. Süß wohnte nun immer öfter im Haus der Stuttgarter Münze und bekam im Juni 1736 vom Herzog ein Haus in Ludwigsburg, unweit des Schlosses, zur Verfügung gestellt, in das er zwangsweise einziehen musste, später dann ein Haus in Stuttgart unter Umgehung des dortigen Residenzverbotes für Juden. Damit ging sein Aufstieg in der herzoglichen Verwaltung einher, wo er den Titel „Geheimer Finanzienrat“ bekam. Süß entwarf Reformvorschläge für eine effektivere Finanzverwaltung, einen ausgeglichenen Haushalt durch vermehrte Einnahmen und die Schuldentilgung. Die Einnahmen wurden durch neu eingerichtete staatliche Monopole, eine erstmalige Besteuerung der Beamtengehälter von 5% sowie einmalige Zahlungen bei Anstellung bzw. Beförderungen (Ämterkauf) und den Verkauf von Titularien gesteigert. Außerdem konnten sich Beamte, die eines Dienstvergehens überführt wurden, von der Strafe freikaufen (sog. „Abolitorien“). Die systematische Überprüfung der Beamten soll in ein allgemeines Denunziationsklima geführt haben, sagen die Kritiker, Süß habe Hand an die weit verbreitete Korruption gelegt, die anderen. In der Beamtenschaft machte sich Süß damit Feinde, obwohl er diese Reformvorschläge in Zusammenarbeit mit anderen hohen Beamten entwickelte und der Herzog dafür verantwortlich zeichnete. Am Widerstand der Landstände scheiterte der Versuch eine allgemeine Vermögenssteuer einzuführen, wie so manches andere auf den Widerstand der Landstände stieß, die auch im Zeitalter des Absolutismus noch etwas zu sagen hatten, wenn es ihre traditionellen Rechte betraf.

So sah sich Süß im Anfang 1737 heftigen Anfeindungen ausgesetzt und bat den Herzog am 11. Februar um seine Entlassung oder aber um eine Absicherung seiner Person. Am 12.3.1737 verstarb der Herzog überraschend, noch in derselben Nacht wurde Süß verhaftet. Seine Gegner verschwörten sich zu einem Komplott gegen ihn, seine Freunde und Mitarbeiter ließen ihn im Stich. Die Vorwürfe konzentrierten sich zunächst auf Betrug, Falschmünzerei, ungerechtfertigte persönliche Bereicherung usw. Doch selbst in dem Verfahren, das alles andere als rechtsstaatlich war, mussten diese Anklagepunkte einer nach dem anderen fallen gelassen werden, weil sich kein Nachweis dafür ergab. So blieben nur noch juristisch nicht greifbare Vorwürfe der Amtsanmaßung, die man dann im Hinblick auf sein Judentum rechtlich untermauerte, da er als Jude nicht in diese Position habe kommen dürfen. Da auch dies recht wenig war, trat dann sein Verhältnis zu einer Christin, Luciana Fischer, in den Vordergrund.

Am 30. Januar 1738 wurde Joseh Süß Oppenheimer zum Tode verurteilt und am 4. Februar auf eine besondere Weise hingerichtet, die mit dafür sorgte, dass in der Nachwelt sein Tod seine Leben überschattete: Er wurde hoch in der Luft in einem Käfig erhenkt, die Leiche wurde dort sechs Jahre lang hängen gelassen.

Nach den Angaben in den Büchern von Selma Stern und Hellmut G. Haasis, siehe oben.


Das Geschäftsmodell von Joseph Süß:

1. Die Finanzierungskette von 1733: Als Joseph Süß 1733 die Münzpacht für den Landgrafen von Hessen-Darmstadt übernahm, konnte er die gewünschte Vorfinanzierung der Münzung nicht übernehmen, sondern kooperierte hierfür mit dem Frankfurter Bankhaus Wahler (Johann Georg und Johann Carl), einer damals aufstrebenden Familie, die nicht zum Patriziat gehörte.* Die anfangs auftretenden Schwierigkeiten brachten die Wahlers selbst in finanzielle Nöte, weswegen sie sich mit einem Kredit beim Frankfurter Bankhaus d’Orville absicherten (vermutlich bei Jean Noé d’Orville). Die d’Orvilles waren wallonische Calvinisten, die im 16. Jh. nach Frankfurt geflohen waren. Ein Schaubild dazu gibt es zum Download in einer pdf-Datei (siehe unten zu 2).

* Mehr dazu in “Zwischen Urteil und Vorurteil”, siehe bibliographische Angabe oben.

2. Das Geschäftsmodell von 1734-37: Für den württembergischen Herzog vermittelte Joseph Süß 1734-37 u.a. Luxuswaren, Gold und Silber für die Münze aus Frankfurt oder über Frankfurt aus Amsterdam, ständige Vorfinanzierungen, also Kredite, übernahm er dabei häufig selbst, indem er seinerseits dafür Anleihen aufnahm. Sein „Kredit“, also seine Kreditwürdigkeit, in Frankfurt und Amsterdam betrug dabei ungefähr den Wert seines Immobilien- und anderen Vermögens, das er somit quasi als ständige Hypothek einsetzte. Siehe hierzu das nachfolgende Schaubild. Zusammen mit einem weiteren Schaubild kann es in er einer pdf-Datei heruntergeladen werden.

Suess_Gechaeftsmodell

Diese Beispiele zeigen anschaulich, wie die Finanzierungskette von den Fürsten als Auftraggeber über die jüdischen Hoffaktoren tief in die christliche Finanz- und Geschäftswelt hineinreichte. Wenn diese Geschäftsbeziehungen darauf reduziert werden, dass die jüdischen Hoffaktoren die Geldgeber der Fürsten gewesen seien, so ist das in dieser Reduktion sachlich falsch und bedient letzten Endes nur das Klischee von den Geldjuden


Materialien:
Zusammenfassung einiger Dokumente aus der Korrespondenz zwischen Joseph Süß und dem Herzog Karl Alexander von Württemberg

Im Anhang des Buches von Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. München (G. Müller), 1929/1973, gibt es eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, wofür die Autorin seinerzeit die Handschriften transkribiert hat. Selbst in der Transkription sind die Briefe an vielen Stellen durch die sprachlichen Besonderheiten schwer zu verstehen und für den Unterricht kaum einsetzbar. Aus diesem Grunde wurde hier der Inhalt einiger wichtiger Dokumente zusammengefasst, die Aufschluss über die Tätigkeiten von Joseph Süß und den Zustand der Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten des Herzogs ergeben.

1. Probleme des Münzwesens
Schreiben von Joseph Süß Oppenheimer an Karl Alexander.

Frankfurt, 12. November 1735.
Süß beschreibt die Problematik, wonach die konkurrierenden Fürsten 305 Gulden für eine Mark Feingold[1] zahlen und damit den Goldpreis nach oben treiben. Bei einer „ordentlichen und fußmäßigen Ausmünzung“[2] sei kein Gewinn mehr zu machen ist und sogar durch die Rechnung, die die Goldverkäufer machen, am Ende ein Minus dabei herauskommen wird. So sei zu erwarten, dass „die münzenden Stände“[3] zukünftig Münzen mit „geringerem Schrot und Korn“[4] prägen würden und diese Münzen im Handel nur noch mit einem Abschlag angenommen würden. Am besten wäre daher eine Pause von ein bis zwei Monaten beim Goldkauf, woran einige Nachbarn wie die Pfalz, Darmstadt, Würzburg, Köln schon arbeiten, wodurch der Preis wieder nachlassen würde. Zum Schluss empfiehlt Süß, wenn der Herzog skeptisch gegenüber diesem Gedanken sei, so möge er seinen Geheimen Rat Schütz [5] dazu befragen.

Zusammenfassung von: Schreiben von Süß an Karl Alexander. Staatsarchiv Baden-Württemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte, München (G. Müller), 1929/1973, Anhang, S. 224.

[1] Trotz der Herkunft des Begriffes Gulden von Gold ist hier der Reichs- taler aus Silber gemeint (eine Recheneinheit, die Münze wurde nicht geprägt), daher die Gegenrechnung mit Gold nach Gewicht, cf. Wolf- gang Trapp: Kleines Handbuch der Münzkunde und des Geldwesens in Deutschland, Stuttgart (Reclam) 1999, S. 87f. Die Mark entsprach ca. 234 g, cf.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_(Gewicht)
[2] Der Reichsmünzfuß bestimmte den Anteil an Gold oder Silber in der Münze.
[3] gemeint sind die Reichsstände mit Münzrecht, also die Fürstentümer, wie sie weiter unten aufgeführt werden.
[4] Fachbegriffe aus der Münzprägung, entspricht in etwa dem Münzfuß.
[5] Andreas Heinrich von Schütz, Mitglied des Geheimen Rates, einer Einrichtung der landständischen Verfassung, die als Rat des Herzogs zugleich über die Einhaltung der Rechte der Landstände zu achten hatte.

2. Vorschlag zur Errichtung einer württembergischen Staatsbank
Bericht von Joseph Süß Oppenheimer mit Vorschlägen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage an Karl Alexander .

21. Februar 1736
Süß beschreibt die Probleme seit der Übernahme der Pacht für die Münze, da ihm durch allerlei bürokratische Hemmnisse, unflexible Beamte und die konkurrierende Kurpfalz übermäßige Kosten aufgebürdet würden. Der kurpfälzische Nachbar habe sich jüngst geweigert „einen Pass für die durch die pfälzischen Lande transportierte Lieferung an Gold und Silber zu erteilen“, so dass die Münze im Augenblick „still stehen bleiben muss.“
Davon ausgehend leitet Süß auf das nächste und Hauptthema über, nämlich die „vorgewesene Einrichtung des Bancalitaets-Amts“.[1] Dies erneut einzurichten wäre vorteilhaft einerseits für die Münze, andererseits für die Tilgung „der mit der Hochfürstlichen Regierung angetretenen übergroßen Schuldenlast“, was Süß für das wichtigere hält. Die bisherige Erfahrung habe gezeigt, dass nach Abzug der Zinsen für die Bankeinlagen sich ein ausreichender Fonds zur Schuldentilgung einrichten lasse. Die dabei versprochene Zinshöhe bringe zwar viele auf den Gedanken, dass der Schaden größer als der Nutzen sein werde, doch sehe er keine andere Möglichkeit in so kurzer Zeit eine so große Summe zu beschaffen, „als zu dieser Schuldenzahlung erfordert wird, ohne dass andere große Beschwerlichkeiten und bedenkliche Verpfändungen hervorgebracht werden könnten“. Darüber hinaus sei zu überlegen, ob die Gläubiger sich sonst zu einem Vergleich bringen lassen würden, „wenn sie nicht das bare Geld sicher zu bekommen wissen.“ So sei zu hoffen, dass sich „die Gläubiger gegen prompte Zahlung zu einem namhaften und sehr erklecklichen Nachlass bequemen und dadurch das Interesse [= die Zinsen] auf einmal auf viele Jahre gewonnen ist.“ Süß verweist dann noch auf das Problem, dass der Herzog den Hofkammerrat Schmidlin mit der Einkassierung der eingehenden Gelder beauftragt habe, dieser aber keine „Caution“ übernehmen wolle. Das bisherige Vertrauen auf die Beamten genüge aber nicht, vielmehr müsse es jemand in die Hand nehmen, der eine „hinlängliche Sicherheit“ geben könne und ein „in Handel und Wandel erfahrener Mann“ sei und die Geschäfte in seiner Hand zusammenführe. In den letzten Tagen [2] sei die Erfahrung gemacht worden, „dass die inzwischen eingelegten Gelder meistenteils wiederum zurück gezogen wurden“ und er nicht wisse, „ob solches zum Versuch, ob die Gelder dazu parat liegen, oder um dieser Ursache willen [3] geschehen sei.“ Bei „längerem Verweilen“ werde „es alsdann immer mehr Mühe kosten, den Leuten wiederum Vertrauen und Credit [=Glaubwürdigkeit] beizubringen.“
Am Ende kommt Süß auf das Thema zu sprechen, wie auch die Einnahmen verbessert werden können und schlägt neben der erwähnten „Land Bancalitaet“ die Errichtung eines „Salz-, Tabaks-, Bier-, Eisen-Handels vor (d.h. herzogliche Monopole) sowie eines „Stempelpapiers“ und „Pupillenamts“. [4]

Zusammenfassung von: Bericht von Süß und Vorschläge zur Verbesserung des Münzwesens und zur Einrichtung des Salz-Handels-Stempelpapiers und Pupillenamt. Staatsarchiv Baden-Württemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. München (G. Müller), 1929/1973, Anhang, S. 235.

[1] „vorgewesen“: bereits am 22.10.1735 hatte es den Versuch einer Bankgründung gegeben, der aber dann mangels Vertrauen der Anleger wieder gescheitert war.
[2] Seit einigen Tagen wurde ein neuer Versuch unternommen Anleger zu motivieren.
[3] d.h. um zu testen, ob noch Gelder zur Rückzahlung vorhanden sind, oder aus ernsthaftem Misstrauen.
[4] Die Stempelpapiersteuer hatte Joseph Süß schon am Anfang seiner Karriere im Dienst des Pfälzischen Kurfürsten dort eingeführt, sie war dort ebenso unbeliebt wie später in den englischen Kolonien in Nordamerika. Mit „Pupillen“ (vgl. engl. pupil) sind Waisenkinder gemeint, die der staatlichen Fürsorge unterstehen (vgl. Deutsches Rechtswörterbuch, http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/.). Der Zusammenhang mit der Finanzfrage ergibt sich daraus, dass die Waisenkinder in “Arbeits- und Zuchthäusern” (das erste 1710 in Stuttgart) zu Zwangsarbeitern in Manufakturen ausgebildet wurden.  Cf. Meinrad Schaab / Hansmartin Schwarzmeier (Hg.: Handbuch der baden-württembergischen Geschichte Bd. 2: Die Territorien im Alten Reich, Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, Stuttgart 1995, S. 141.

 

3. Vorschläge zur Verbesserung der Finanzverwaltung
Memorial von Süß über das Cameralwesen [1] an Karl Alexander.

Stuttgart, 23. November 1736
Süß beklagt, dass die „fatale Confusion, die im Cameral- und Finanzwesen universaliter eingerissen sei, sehr groß sei“. Die Gratialia und Confiscationes [2] hätten mehr Einnahmen gebracht und die Kammer sei verbessert worden, oft habe er aus seinen „Privat Beutel“ mit Kredit aushelfen müssen, zuletzt mit 70.000 Gulden, die zurückzuzahlen man in der Kammerschreiberei aus Mangel an Überblick nicht in der Lage sei. Um dem Grundübel abzuhelfen schlägt Süß vor, dass alle Teilkassen in einer Generalkasse zusammengeführt werden, so könne man „zuverlässig wissen, nicht allein, was eigentlich einkomme und ausgegeben werde, sondern auch ob die Einnahme zu Bestreitung derer Ausgaben zureiche“, so dass der Herzog jederzeit wisse, „wie es mit Dero Cassen bestellt und was sowohl an Geld als auch an Naturalien vorhanden seye.“ Damit der Generalkontrolleur der Finanzen diesen Überblick gewinnen könne, müsse Süß noch das Münzwesen übergeben.[3] Der Überblick in einer Hand erfordere auf der anderen Seite die Trennung der Geschäfte nach der Art der Einnahmen und Ausgaben, so dass sich jede Partikular-Kasse nur mit ihrer Sache beschäftige. Dieselben Prinzipien müssten dann auch für die innere Verwaltung und die Besoldung der Beschäftigten erfolgen, so dass dies zu aller Zufriedenheit erledigt werden könne. Zuletzt weist Süß auf den Einwurf hin, der hierzu gemacht werden könne, „nemlich daß der Belauf derer Ausgaben den Betrag derer Einnahmen alljährlich um ein merkliches übersteige“ und von daher die Reformvorschäge nur einen Sinn hätten, wenn dies „dermaßen geändert werde, damit wahrhaftig sich ein Überschuß ergeben könne.“ Die negative Bilanz bisher sei auch dadurch zustande gekommen, dass Auszahlungen oft „in Kraft erschlichener fürstlicher Verordnungen“ von einzelnen Beamten erfolgt seien, während ausstehende Forderungen nicht eingetrieben wurden.

Zusammenfassung von: Memorial von Süß über das Cameralwesen. Staatsarchiv Baden-Württemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. München (G. Müller), 1929/1973, Anhang, S. 258-262.

[1] Mit der „Kammer“ sind die direkten Einkünfte des Herzogs aus dem „Kammergut“ gemeint, d.h. aus der eigenen Grundherrschaft und fürstlichen Rechten, die nicht der Zustimmung durch die Landstände unterlagen.
[2] Gratialia, wörtl. „Gunstbezeugungen“, waren Einkünfte aus dem Verkauf von Ämtern und Titularien sowie aus der neu eingeführten Besteuerung der Beamten. Für die Errichtung des Gratialamtes war Süß zum „Geheimen Finanzienrat“ ernannt worden. Mit den Konfiskationen sind weitere hier nicht näher präzisierte Einnahmen gemeint, es könnte sich dabei um die „Abolitorien“ handeln, Straferlasse für Beamte bei Verfehlungen oder Dienstvergehen, die oft durch Denunziation zur Kenntnis gebracht wurden.
[3] Süß hatte die Pacht der Münze übernommen und wollte dies zu jenem Zeitpunkt wieder abgeben.

4. Rückblick von Joseph Süß Oppenheimer auf seine Tätigkeit für Herzog Karl Alexander
Memorial von Süß an den Herzog.

Stuttgart, 11. Februar 1737 (Copie)
Einen Monat vor dem unerwarteten Tod des Herzogs schreibt Joseph Süß, der zuvor schon mehrfach um seine Entlassung gebeten hatte, angesichts der Widerstände und Anfeindungen am Hof einen Rückblick auf seine Tätigkeit für den Herzog, in dem er seine Verdienste bilanziert.
Süß legt überschwänglich dar, wie er sich im Dienst für den Herzog verausgabt hat, immer nur das Wohl des Herzogs im Auge hatte und vieles für ihn verbessern konnte, was kein anderer hätte zustande bringen können. Vor allem sei es ihm „ein Vergnügen gewesen, Dero Fürstliche Chatoull mit importanten Einnahmen […] zu versehen.“ Außerdem habe er dem „ruinierten Cameralzustand mit nicht geringer Mühe und desto mehreren Schaden“, d.h. oft auf eigene Kosten, ausgeholfen – zuletzt mit 50.000 Gulden, „die niemand vorstrecken wollte“, „durch einen aller Orthen bey Christen und Juden habenden Credit“. Er habe dem Herzog das „dem Verderben nahe gewesen Hof-Oeconomie-Wesen“ vor Augen geführt und Auswege daraus aufgezeigt und dies auch, damit die „Hof- und Canzley Bediensteten“, die bisher über unregelmäßige Besoldung zu klagen hatten, zufireden gestellt werden könne.
Süß geht dann auf seine zeitweilige Aufgabe als Ausrüster des herzoglichen Regiments ein, das ihm erhebliche Schwierigkeiten und vor allem Konflikte mit den anderen daran Beteiligten einbrachte, da er gegen „Malversationen, ausgeübte Intriguen und Schleich“ vorgehen musste.
Dann habe er das Münzwesen „mit Erstaunen der benachbarten Chur- und Reichsfürsten und Stände dergestalten zu Stande gebracht, dass auf Zukunft […] das Werk mit großem Nutzen fortgeführt werden kann“, und dies mit einer „fast ohnermesslichen Mühe und Arbeit“, „über welches allein anderer nicht nur die Gesundheit, sondern wohl gar Leib und Leben verlohren haben würde.“ Denn bei seiner Arbeit sei er ständig hintergangen worden, „beständigen Machinationen und Verfolgungen“ ausgesetzt und dem Verdacht ausgesetzt gewesen, dass er sich „auf einer ohnerlaubte Art in dem Lande bereicherte“. Süß erklärt dann dem Herzog seine Ausgabenseite, dass er diese ihm „auf gnädigstes Verlangen tête à tête vorzulegen“ bereit sei und der Herzog selbst am meisten von seinem Dienst profitiert habe. Da die Vorwürfe gegen ihn unberechtigt weil nicht nachweisbar seien, müsse das „Punctum Religionis ihre Rachbegierde bemänteln“.
Als Bilanz seiner Tätigkeit legt er dann dar, dass er (1.) im Fiskalamt Ordnung hineingebracht und Nachsicht gegenüber den Schuldnern geübt habe, (2.) für die „fürstliche Rent-Cammer auch noch von denen Besoldungen in Zukunft 5 per Centum in die Cass bekommen“ [1]. Im Gratialamt (3.) habe er die Beförderungen erstmals nach dem Prinzip der Tüchtigkeit ohne persönliche Bevorzugung durchgesetzt und dadurch „in Zukunft in dem Land ein sich auf Millionen erstreckender Nutzen geschaffet“ [2]. Dann spricht Süß (4.) den für den Herzog vollzogenen Juweleneinkauf an und weist auch hier Vorwürfe der persönlichen Bereicherung zurück, er habe gar die Zahlungen durch selbst dafür aufgenommene Kredite getätigt und dabei 6% Zinsen bezahlen müssen. Am Ende thematisiert Süß noch einmal im Zusammenhang die gegen ihn laufenden Intrigen um ihn aus dem Amt zu drängen. So bittet er den Herzog: „[…] entweder mich noch in Zeiten, ehe und dann ich vollends gar meinen widersacher zum Opfer werde, mit Dero gnädigsten Erlaubniss zu retiriren“, oder aber höchstens noch ein halbes Jahr weiterhin in seinen Diensten zu bleiben, wofür er dann allerdings „in Sicherheit gestellt werden müsse“. Dafür geht er dann nochmals auf die Vorwürfe ein, von denen ihn der Herzog beschützen solle.

Zusammenfassung von: Memorial von Süß an den Herzog. Staatsarchiv Baden-Württemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. München (G. Müller), 1929/1973, Anhang, S. 273-280.

[1] Den Beamten erstmals auferlegte Steuer von 5%.
[2] Siehe obige Anm. zu „Gratialia“ unter (3). Was hier nicht zur Sprache kommt, ist, dass die Einstellungen in den Dienst wie auch die Beförderungen offenbar mit einer finanziellen Vorleistung der Interessenten verbunden war; man kann dies als Ämterkauf bezeichnen, aus Sicht von Süß war dies vermutlich eine Art Steuervorauszahlung.

5 a, b. Preziosen und Schulden – ein Luxusproblem
a) Schreiben Karl Alexanders an Süß.

Ludwigsburg, 16. Juli 1735
Der Herzog schreibt dem auf Reisen befindlichen Süß vermutlich nach Frankfurt von dem Erhalt eines Brillanten sowie zweier Ohrringe, beschwert sich jedoch über den dafür angesetzten Preis und will nicht mehr als 1000 Gulden zahlen. Dann soll Süß noch weitere Preziosen schicken oder bei seiner Rückkehr mitbringen. Dann versichert der Herzog Süß seiner Gnade und rät ihm, sich von Drohungen gegen ihn „in seinem Tun und Lassen nicht wirr machen werde“, denn: „Da noch niemand von Drohen gestorben, so wird er auch dieserwegen noch lang in Meinem Land unbeschädigt leben können.“

Zusammenfassung von: Orig. Schreiben Karl Alexanders an Süß. Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. München (G. Müller), 1929/1973, Anhang, S. 218f.

b) Schuldverschreibung des Herzogs gegen Süß.

Stuttgart, 4. Januar 1737
Der Herzog beglaubigt hiermit, dass er von Süß Oppenheimer ein Kapital von 100.000 Reichstalern aufgenommen habe, vor allem „zu Einkaufung verschiedener Juwelen“, und quittiert den ordnungsgemäßen Empfang. Er verspricht, dass, wenn die Rück- zahlung nicht liquide erfolgen könne, Süß dann die Hälfte der nächstens eingehenden Gratial- und Confiscations-Gelder [1] erhalten möge.

Zusammenfassung von: Schuldverschreibung des Herzogs gegen Süß. Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud Süss. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte. München (G. Müller), 1929/1973, Anhang, S. 265.

[1] Siehe obige Anm. dazu unter (3).

 

 

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