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Chanukka-LeuchterChanukka-Leuchter Frankfurt a.M. 1680 - JŘdisches Museum Frankfurt

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Verband der Geschichtslehrerinnen und -lehrer


Deutsc
hlands (VGD)

Joseph S├╝├č Oppenheimer, sp├Ąter genannt “Jud S├╝├č”

Oppenheimer-Platz3

Einleitung
Links (direkt dorthin)
Bibliographische Angaben (direkt dorthin)
Biographische Skizze (direkt dorthin)
Schaubilder: Finanzierungskette und Gesch├Ąftsmodell von Joseph S├╝├č 1733-37 (direkt dorthin)
Material
ien
(direkt dorthin):
Zusammenfassung einiger Dokumente aus der Korrespondenz zwischen Joseph S├╝├č und Herzog Karl Alexander von W├╝rttemberg

(c) W. Geiger, 2013

Aus dem Verh├Âr auf dem Hohenneuffen am 28.3.1737, amtliches Protokoll:

 Von was Religion?
Er seye ein gebohrner Jud, habe aber die Religion von einem ehrlichen Menschen.
Ob er sich zur J├╝dischen Religion noch dato bekenne?
Ja.

Auch heute noch verschwindet der reale Mensch Joseph S├╝├č Oppenheimer hinter dem Fall “Jud S├╝├č” und die Geschichte aus dem 18. Jh. hinter dem antisemitischen Propagandafilm von Veit Harlan. Man interessiert sich f├╝r den Film, den Prozess, nicht f├╝r das Leben von Joseph S├╝├č Oppenheimer. Wie auch tendenziell im Allgemeinen, so wird auch hier im Besonderen und in besonderem Ma├če die j├╝dische Geschichte vom Antisemitismus ├╝berlagert.

Die virtuelle Ausstellung des Landesarchivs Baden-W├╝rttemberg pr├Ąsentiert zum Thema Landst├Ąnde im Absolutismus in einer Tafel die Regentschaft des Herzogs Karl (damals Carl) Alexander (1733-37), seine Auseinandersetzung mit der st├Ąndischen Vertretung und die in Anspruch genommenen ”Dienste des j├╝dischen Finanziers Joseph S├╝├č Oppenheimer”: ”Nach dem pl├Âtzlichen Tod Carl Alexanders 1737 nahmen diese Kreise [= die Landst├Ąnde] Rache an Oppenheimer, der nach einem widerrechtlichen Kriminalprozess hingerichtet wurde.” ├ťber die Person erf├Ąhrt man nichts weiter, daf├╝r gibt es aber noch als Illustration eine diffamierende Abbildung von S├╝├č: ┬╗Wer gro├čer Herren Gunst missbraucht…┬ź bleibt als Zitat aus der Bildlegende auf der Webseite hervorgehoben und damit im Bewusstsein des Betrachters stehen. Kein historisches Dokument des Angeklagten oder zumindest aus anderer Perspektive wird hier pr├Ąferiert (z.B. aus seiner Verteidigung vor Gericht), sondern ein Dokument der Anklage: hier.

Weitere Links:

Beschlagnahmte Briefschaften. Der Kriminalprozess gegen Joseph S├╝├č Oppenheimer 1737/38. Ausstellung des Hauptstaats- archivs Stuttgart: hier. Die Online-Pr├Ąsen tation bietet leider nur wenige Informationen und Materialien, darunter v.a. Ausz├╝ge aus dem Verh├Âr Oppen heimers auf dem Hohenneufffen am 28.3.1737: hier.

Die Stiftung Gei├čstra├če in Stuttgart hat anl├Ą├člich des Gedenkens an S├╝├č anl├Ąsslich seines dreihundertsten Geburtstages 1998 das erste ihrer Gedenkbl├Ątter ihm gewidmet, es steht als Download zur Verf├╝gung: hier.

Einen sehr interessanten kritischen Bericht zur Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart 2007 hat Hellmuth G. Haasis ver- fasst: hier. Der freie Forscher und Publizist wird von der akademischen Wissenschaft nicht sehr gesch├Ątzt, aber et hat sich nach Selma Stern am intensivsten mit dem Leben und Wirken Joseph S├╝├č Oppenheimers f├╝r sein Buch befasst:
Joseph S├╝├č Oppenheimer genannt Jud S├╝├č. Finanzier, Frei- denker, Justizopfer. Reinbek: Rowohlt, 1998.
Zuvor hatte er den Stoff literarisch verarbeitet und mit einem biographischen Essay sowie Dokumenten heraus- gegeben:
Joseph S├╝├č Oppenheimers Rache. Erz├Ąhlung, Biographischer Essay, Dokumente aus der Haft und dem Proze├č. Mit Illustra- tionen von Jona Mach und historischen Stichen. Blieskastel: Gollenstein, 1994.
Auf seiner Website hat Haasis eine F├╝lle von Informationen und kritischen Kommentaren zu aktuellen politischen und k├╝nstleri- schen Besch├Ąftigungen mit dem Fall seit Mitte der 90er Jahre zusammengestellt, ├ťbersicht hier.
Er selbst hatte zun├Ąchst f├╝r Dieter Wedel ein Szenario f├╝r die Wormser Nibelungenfestspiele 2011 geschrieben, das dann aller- dings zugunsten des Theaterst├╝cks von Joshua Sobol verworfen wurde. Das skizzierte Szenario von Haasis gibt es auch auf seiner Website: hier.

2012 gab es eine Neuinszenierung des St├╝cks unter ver├Ąndertem Titel, hie├č es 2011 noch: Die Geschichte des Joseph S├╝├č Oppen- heimer, genannt Jud S├╝├č vor schwarz-rot-goldenem Hintergrund, so wurden Titel und Auff├╝hrung 2012 im Zeichen der Euro-Krise aktualisiert zu: Das Verm├Âgen des Herrn S├╝├č mit einem bluttriefenden Euro- Zeichen auf dem Plakat (Archiv: hier).

Bibliographische Angaben:

Alexandra Przyrembel / J├Ârg Sch├Ânert (Hg.): ┬╗Jud S├╝├č┬ź. Hofjude, lierarische Figur, antisemitisches Zerrbild. Frankfurt / New York (Campus), 2006.

Gudrun Emberger / Robert Kretschmar (Hg.): Die Quellen sprechen lassen. Der Kriminalprozess gegen Joseph S├╝├č Oppen- heimer 1737/38. Stuttgart (Kohlhammer), 2009.

Volker Gall├ę (Hg.): Joseph S├╝ss Oppenheimer – Ein Justizmord. Historische Studien zur Situation der Juden im S├╝dwesten und der Hofjuden im 18. Jahrhundert. Worms (Worms-Verlag), 2010.

Wolfgang Geiger: ÔÇ×Schulden und Schuld. Zur Aktualit├Ąt des Joseph S├╝├č Oppenheimer, sp├Ąter genannt ÔÇÜJud S├╝├č‘“, in: Ders.: Zwischen Urteil und Vorurteil. J├╝dische und deutsche Geschichte in der kollektiven Erinnerung. Frankfurt a.M. (Humanities Online), S. 119-163.

Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte., M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929, 1973.
Diese erste fundierte Analyse bleibt bis heute neben dem Buch von Haasis (s.o.) die Grundlage aller Untersuchungen zum “Fall S├╝├č”. Es geht jedoch auch ausf├╝hrlich auf den zeitgeschicht- lichen Kontext ein und enth├Ąlt im Anhang eine umfang- reiche Sammlung von Dokumenten aus der Korrespondenz zwischen Joseph S├╝├č und Herzog Karl Alexander.

Haus-Oppenheimer1
S├╝├č Oppenheimer

Die ├ľffentlichkeit interessierte sich f├╝r Joseph S├╝├č Oppenheimer erst, nachdem er im M├Ąrz 1737 zum “Fall” wurde nach dem Tod des Herzogs Karl Alexander von W├╝rttemberg. Daher gibt es nur bildliche Darstellungen aus der Zeit des Prozesses. Dieses Bild auf einem Flugblatt gilt trotz des diffamierenden Kontexts - “Wer gro- ├čer Herren Gunst misbraucht...” - noch als die neutralste Portr├Ą- tierung. Das kleine Abbild unten zeigt den K├Ąfig am Galgen, womit die Darstellung auf den Zeit- punkt nach dem Urteil datiert werden kann.

Wikimedia Commons

Oppenheimer-Platz

Joseph-S├╝├č-Oppenheimer-Platz in Stuttgart, ungef├Ąhr an der Stelle der alten M├╝nze. Die Altstadt wurde an dieser Stelle im 2. Weltkrieg vollkommen zerst├Ârt.

Fotos: W. Geiger

Oppenheimer-Platz2

Wohnhaus von J. S├╝├č in der Friedrichstr. 34 in Stuttgart.
Links: Lithographie von 1858, aus: Gustav Wais: Alt-Stuttgarts Bauten im Bild, Stuttgart 1951.
Wikimedia Commons
Unten: Foto von 1906 oder fr├╝her. Andr├ę Lambert, Eduard Stahl: Alt-Stuttgarts Baukunst, Stuttgart [1906].
Wikimedia Commons
Die Eintr├Ąge bei Wikimedia geben ein falsches Jahrhundert f├╝r die Zeit an, als S├╝├č dort wohnte (“Anfang 17. Jh.”); S├╝├č konnte das Haus wegen des Wohnverbots f├╝r Juden auf Umwegen erst ganz am Ende erwerben, 1736.

Haus-Oppenheimer2
Ludwigsburg1

    HAUS DES JOSEPH S├ťSS OPPENHEIMER
    Erbaut um 1726:
    1734-38 im Besitz des Joseph S├╝├č Oppenheimer.
    Geh. Finanzrat von Herzog Carl Alexander.
    Im Hof befand sich 1817-1884
    die erste Ludwigsburger Synagoge.
     

Das Haus in der M├Âmpelgardstr. 18, das Herzog Carl Alexander seinem Geheimen Finanzienrath Joseph S├╝├č f├╝r seine Aufenthalte in Ludwigsburg zur Verf├╝gung stellte.

Es befindet sich direkt gegen├╝ber einem Seiteneingang zum Gel├Ąnde des Ludwigsburger Schlosses.

Fotos: W. Geiger.

Ludwigsburg2
Ludwigsburg3
Gedenktafel-Hohenneuffen

Gedenktafel in der Festung Hohenneuffen, wo Joseph S├╝├č zuerst inhaftiert war.

Wikimedia Commons

Biographische Skizze:

Aus der Familie Oppenheimer waren im 16. Jh. die Stammeltern des Frankfurter Zweiges von Heidelberg nach Frankfurt gezogen, von ihrer Herkunft her wurden sie auch sp├Ąter noch mit dem Beinamen Heidelburg versehen (siehe Datenbank zur Frankfurter Judengasse). Samuel Oppenheimer, der ber├╝hmte Wiener Hoffaktor, entstammte diesem Zweig. Die Mutter von Joseph S├╝├č Oppenheimer, Michele (Michal), stammte aus Frankfurt, der Vater Issachar S├╝├čkind aus der aus Heidelberg, wo Joseph auch 1698 geboren wurde. In den kurpf├Ąlzischen St├Ądten Heidelberg und Mannheim, damals den Kriegen Ludwigs XIV. ausgesetzt, gab es damals kein Ghetto.

Nach dem Tod des Vaters 1707 kam Joseph unter die Vormundschaft eines Onkels. Zehn Jahre sp├Ąter scheint er bereits Gesch├Ąfte aufgenommen und ├╝ber Beziehungen zu einem Heidelberger Adligen, aber auch in j├╝dischen Kreisen, Zugang zum kurpf├Ąlzischen Hof gefunden zu haben und zog 1722/24 nach Mannheim. Er arbeitete dort als Rechtsbeistand und Privatbankier, ÔÇ×er pflegte 6 Prozent Zinsen zu nehmen, was im Rahmen des ├ťblichen blieb.“ (Haasis, S.48). Au├čerdem trat er in den Dienst des Kurf├╝rsten Karl Philipp und ├╝bernahm dort die Pacht ├╝ber das Stempelpapier 1723-29. Die neue Steuer auf amtliche Dokumente sowie privatrechtliche Dinge, die der offiziellen Beglaubigung bedurften, war so unpopul├Ąr wie sp├Ąter in den englischen Kolonien Nordamerikas. Hier machte S├╝├č wichtige Erfahrungen in der Auseinandersetzung mit der B├╝rokratie, aber auch in der Kunst die F├╝rstengunst f├╝r sich zu gewinnen, die f├╝r seine weitere Karriere wichtig sein sollten. Au├čerdem unterhielt er Beziehungen nach Frankfurt, wohin seine Mutter nach dem Tod ihres Mannes wieder zur├╝ckgezogen war, und konnte Anfang der 1730er Jahre bereits zwei Zimmer au├čerhalb des Ghettos anmieten, Grundlage seiner sp├Ąteren dortigen ÔÇ×Residenz“.

1732 trat Joseph S├╝├č in den Dienst des Landgrafen von Hessen-Darmstadt, Ernst Ludwig, der vor dem Bankrott stand. Nur m├╝hsam konnte er in Frankfurt noch Kredit bekommen. S├╝├č ├╝bernahm f├╝r ihn die Errichtung einer M├╝nzanstalt, die das seit den Kriegen virulente Problem der M├╝nzknappheit in der Region l├Âsen sollte, und die Pacht ├╝ber den M├╝nzbetrieb. Die Rechnung bestand darin Gold billiger einzukaufen als dann der Nennwert der gepr├Ągten M├╝nzen sein w├╝rde. Au├čerdem wurde nach dem kurpf├Ąlzischen M├╝nzfu├č gepr├Ągt, der schlechter als der vorgeschriebene Reichm├╝nzfu├č war, womit also in S├╝ddeutschland ein Wettlauf um die M├╝nzverschlechterung begann. Im selben Jahr hatte S├╝├č auch schon Kontakt zu dem w├╝rttembergischen Thronfolger Karl Alexander aufgenommen, der, obwohl Katholik, als Vetter des regierenden Herzogs aufgrund von Thronfolgeproblemen zu dessen Nachfolger auserkoren war. Karl (oder Carl) Alexander war kaisertreuer Generalfeldmarschall und diente in den Kriegen gegen die T├╝rken an der Seite des ber├╝hmten Prinzen Eugen, zuletzt als Gouverneur der Milit├Ąrprovinz Belgrad. Noch vor dessen Thronantritt trat S├╝├č mit einem Kredit von 80.000 Gulden in seinen Dienst.

Im Mai 1733 siedelte S├╝├č nach Frankfurt ├╝ber, weitere dort seine angemietete Wohnung aus und nannte sich ÔÇ×Hessen-Darmst├Ądtischer und herzoglich w├╝rttembergischer Hof- und Kriegsfaktor“ – ersteres war er eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr, letzteres noch nicht. Am 9.1.1734 wird er w├╝rttembergischer ÔÇ×Resident“ in Frankfurt und kann dar├╝ber seinen Wohnsitz au├čerhalb der Judengasse absichern. Bereits im Oktober hatte Karl Alexander ihn unter seinen Schutz gestellt, damals noch als kaiserlicher Statthalter in Belgrad, am 16.12.1733 bestieg der den w├╝rttembergischen Thron. S├╝├č bot sich daraufhin sofort f├╝r allerlei Gesch├Ąfte an, vom Juwelenhandel ├╝ber die M├╝nze zum Kriegslieferanten. Im Januar 1734 bekam S├╝├č dann das M├╝nzgesch├Ąft, f├╝r das er sich zuvor f├╝r den Darmst├Ądter Landgrafen qualifiziert hatte. Auch hier gestaltete sich die Pacht der M├╝nze schwierig, b├╝rokratischer Schlendrian im eigenen Hause, das delikate Problem des Reichsm├╝nzfu├čes und die Konkurrenz durch die benachbarten F├╝rsten brachten seine Gesch├Ąftskalkulation immer wieder durcheinander. Nebenbei engagierte sich S├╝├č f├╝r den Herzog bei der Ausr├╝stung von dessen Truppen im Polnischen Erbfolgekrieg 1734-35, was ihm aufgrund der komplizierten Zusammenarbeit mit anderen und den heiklen Terminsetzungen gr├Â├čte Probleme und Feinde bis zum Schluss bescherte. Am 17.8.1725 richtete S├╝├č ein erstes Entlassungsgesuch an den Herzog.

Doch der Herzog entlie├č seinen Hoffaktor nicht, er band ihn noch st├Ąrker an sich. S├╝├č wohnte nun immer ├Âfter im Haus der Stuttgarter M├╝nze und bekam im Juni 1736 vom Herzog ein Haus in Ludwigsburg, unweit des Schlosses, zur Verf├╝gung gestellt, in das er zwangsweise einziehen musste, sp├Ąter dann ein Haus in Stuttgart unter Umgehung des dortigen Residenzverbotes f├╝r Juden. Damit ging sein Aufstieg in der herzoglichen Verwaltung einher, wo er den Titel ÔÇ×Geheimer Finanzienrat“ bekam. S├╝├č entwarf Reformvorschl├Ąge f├╝r eine effektivere Finanzverwaltung, einen ausgeglichenen Haushalt durch vermehrte Einnahmen und die Schuldentilgung. Die Einnahmen wurden durch neu eingerichtete staatliche Monopole, eine erstmalige Besteuerung der Beamtengeh├Ąlter von 5% sowie einmalige Zahlungen bei Anstellung bzw. Bef├Ârderungen (├ämterkauf) und den Verkauf von Titularien gesteigert. Au├čerdem konnten sich Beamte, die eines Dienstvergehens ├╝berf├╝hrt wurden, von der Strafe freikaufen (sog. ÔÇ×Abolitorien“). Die systematische ├ťberpr├╝fung der Beamten soll in ein allgemeines Denunziationsklima gef├╝hrt haben, sagen die Kritiker, S├╝├č habe Hand an die weit verbreitete Korruption gelegt, die anderen. In der Beamtenschaft machte sich S├╝├č damit Feinde, obwohl er diese Reformvorschl├Ąge in Zusammenarbeit mit anderen hohen Beamten entwickelte und der Herzog daf├╝r verantwortlich zeichnete. Am Widerstand der Landst├Ąnde scheiterte der Versuch eine allgemeine Verm├Âgenssteuer einzuf├╝hren, wie so manches andere auf den Widerstand der Landst├Ąnde stie├č, die auch im Zeitalter des Absolutismus noch etwas zu sagen hatten, wenn es ihre traditionellen Rechte betraf.

So sah sich S├╝├č im Anfang 1737 heftigen Anfeindungen ausgesetzt und bat den Herzog am 11. Februar um seine Entlassung oder aber um eine Absicherung seiner Person. Am 12.3.1737 verstarb der Herzog ├╝berraschend, noch in derselben Nacht wurde S├╝├č verhaftet. Seine Gegner verschw├Ârten sich zu einem Komplott gegen ihn, seine Freunde und Mitarbeiter lie├čen ihn im Stich. Die Vorw├╝rfe konzentrierten sich zun├Ąchst auf Betrug, Falschm├╝nzerei, ungerechtfertigte pers├Ânliche Bereicherung usw. Doch selbst in dem Verfahren, das alles andere als rechtsstaatlich war, mussten diese Anklagepunkte einer nach dem anderen fallen gelassen werden, weil sich kein Nachweis daf├╝r ergab. So blieben nur noch juristisch nicht greifbare Vorw├╝rfe der Amtsanma├čung, die man dann im Hinblick auf sein Judentum rechtlich untermauerte, da er als Jude nicht in diese Position habe kommen d├╝rfen. Da auch dies recht wenig war, trat dann sein Verh├Ąltnis zu einer Christin, Luciana Fischer, in den Vordergrund.

Am 30. Januar 1738 wurde Joseh S├╝├č Oppenheimer zum Tode verurteilt und am 4. Februar auf eine besondere Weise hingerichtet, die mit daf├╝r sorgte, dass in der Nachwelt sein Tod seine Leben ├╝berschattete: Er wurde hoch in der Luft in einem K├Ąfig erhenkt, die Leiche wurde dort sechs Jahre lang h├Ąngen gelassen.

Nach den Angaben in den B├╝chern von Selma Stern und Hellmut G. Haasis, siehe oben.


Das Gesch├Ąftsmodell von Joseph S├╝├č:

1. Die Finanzierungskette von 1733: Als Joseph S├╝├č 1733 die M├╝nzpacht f├╝r den Landgrafen von Hessen-Darmstadt ├╝bernahm, konnte er die gew├╝nschte Vorfinanzierung der M├╝nzung nicht ├╝bernehmen, sondern kooperierte hierf├╝r mit dem Frankfurter Bankhaus Wahler (Johann Georg und Johann Carl), einer damals aufstrebenden Familie, die nicht zum Patriziat geh├Ârte.* Die anfangs auftretenden Schwierigkeiten brachten die Wahlers selbst in finanzielle N├Âte, weswegen sie sich mit einem Kredit beim Frankfurter Bankhaus d’Orville absicherten (vermutlich bei Jean No├ę d’Orville). Die d’Orvilles waren wallonische Calvinisten, die im 16. Jh. nach Frankfurt geflohen waren. Ein Schaubild dazu gibt es zum Download in einer pdf-Datei (siehe unten zu 2).

* Mehr dazu in “Zwischen Urteil und Vorurteil”, siehe bibliographische Angabe oben.

2. Das Gesch├Ąftsmodell von 1734-37: F├╝r den w├╝rttembergischen Herzog vermittelte Joseph S├╝├č 1734-37 u.a. Luxuswaren, Gold und Silber f├╝r die M├╝nze aus Frankfurt oder ├╝ber Frankfurt aus Amsterdam, st├Ąndige Vorfinanzierungen, also Kredite, ├╝bernahm er dabei h├Ąufig selbst, indem er seinerseits daf├╝r Anleihen aufnahm. Sein ÔÇ×Kredit“, also seine Kreditw├╝rdigkeit, in Frankfurt und Amsterdam betrug dabei ungef├Ąhr den Wert seines Immobilien- und anderen Verm├Âgens, das er somit quasi als st├Ąndige Hypothek einsetzte. Siehe hierzu das nachfolgende Schaubild. Zusammen mit einem weiteren Schaubild kann es in er einer pdf-Datei heruntergeladen werden.

Suess_Gechaeftsmodell

Diese Beispiele zeigen anschaulich, wie die Finanzierungskette von den F├╝rsten als Auftraggeber ├╝ber die j├╝dischen Hoffaktoren tief in die christliche Finanz- und Gesch├Ąftswelt hineinreichte. Wenn diese Gesch├Ąftsbeziehungen darauf reduziert werden, dass die j├╝dischen Hoffaktoren ÔÇ×die Geldgeber der F├╝rsten gewesen seien, so ist das in dieser Reduktion sachlich falsch und bedient letzten Endes nur das Klischee von den ÔÇ×Geldjuden


Materialien:
Zusammenfassung einiger Dokumente aus der Korrespondenz zwischen Joseph S├╝├č und dem Herzog Karl Alexander von W├╝rttemberg

Im Anhang des Buches von Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte. M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, gibt es eine umfangreiche Sammlung von Dokumenten, wof├╝r die Autorin seinerzeit die Handschriften transkribiert hat. Selbst in der Transkription sind die Briefe an vielen Stellen durch die sprachlichen Besonderheiten schwer zu verstehen und f├╝r den Unterricht kaum einsetzbar. Aus diesem Grunde wurde hier der Inhalt einiger wichtiger Dokumente zusammengefasst, die Aufschluss ├╝ber die T├Ątigkeiten von Joseph S├╝├č und den Zustand der Wirtschafts- und Finanzangelegenheiten des Herzogs ergeben.

1. Probleme des M├╝nzwesens
Schreiben von Joseph S├╝├č Oppenheimer an Karl Alexander.

Frankfurt, 12. November 1735.
S├╝├č beschreibt die Problematik, wonach die konkurrierenden F├╝rsten 305 Gulden f├╝r eine Mark Feingold[1] zahlen und damit den Goldpreis nach oben treiben. Bei einer ÔÇ×ordentlichen und fu├čm├Ą├čigen Ausm├╝nzung“[2] sei kein Gewinn mehr zu machen ist und sogar durch die Rechnung, die die Goldverk├Ąufer machen, am Ende ein Minus dabei herauskommen wird. So sei zu erwarten, dass ÔÇ×die m├╝nzenden St├Ąnde“[3] zuk├╝nftig M├╝nzen mit ÔÇ×geringerem Schrot und Korn“[4] pr├Ągen w├╝rden und diese M├╝nzen im Handel nur noch mit einem Abschlag angenommen w├╝rden. Am besten w├Ąre daher eine Pause von ein bis zwei Monaten beim Goldkauf, woran einige Nachbarn wie die Pfalz, Darmstadt, W├╝rzburg, K├Âln schon arbeiten, wodurch der Preis wieder nachlassen w├╝rde. Zum Schluss empfiehlt S├╝├č, wenn der Herzog skeptisch gegen├╝ber diesem Gedanken sei, so m├Âge er seinen Geheimen Rat Sch├╝tz [5] dazu befragen.

Zusammenfassung von: Schreiben von S├╝├č an Karl Alexander. Staatsarchiv Baden-W├╝rttemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte, M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, Anhang, S. 224.

[1] Trotz der Herkunft des Begriffes Gulden von Gold ist hier der Reichs- taler aus Silber gemeint (eine Recheneinheit, die M├╝nze wurde nicht gepr├Ągt), daher die Gegenrechnung mit Gold nach Gewicht, cf. Wolf- gang Trapp: Kleines Handbuch der M├╝nzkunde und des Geldwesens in Deutschland, Stuttgart (Reclam) 1999, S. 87f. Die Mark entsprach ca. 234 g, cf.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mark_(Gewicht)
[2] Der Reichsm├╝nzfu├č bestimmte den Anteil an Gold oder Silber in der M├╝nze.
[3] gemeint sind die Reichsst├Ąnde mit M├╝nzrecht, also die F├╝rstent├╝mer, wie sie weiter unten aufgef├╝hrt werden.
[4] Fachbegriffe aus der M├╝nzpr├Ągung, entspricht in etwa dem M├╝nzfu├č.
[5] Andreas Heinrich von Sch├╝tz, Mitglied des Geheimen Rates, einer Einrichtung der landst├Ąndischen Verfassung, die als Rat des Herzogs zugleich ├╝ber die Einhaltung der Rechte der Landst├Ąnde zu achten hatte.

2. Vorschlag zur Errichtung einer w├╝rttembergischen Staatsbank
Bericht von Joseph S├╝├č Oppenheimer mit Vorschl├Ągen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage an Karl Alexander .

21. Februar 1736
S├╝├č beschreibt die Probleme seit der ├ťbernahme der Pacht f├╝r die M├╝nze, da ihm durch allerlei b├╝rokratische Hemmnisse, unflexible Beamte und die konkurrierende Kurpfalz ├╝berm├Ą├čige Kosten aufgeb├╝rdet w├╝rden. Der kurpf├Ąlzische Nachbar habe sich j├╝ngst geweigert ÔÇ×einen Pass f├╝r die durch die pf├Ąlzischen Lande transportierte Lieferung an Gold und Silber zu erteilen“, so dass die M├╝nze im Augenblick ÔÇ×still stehen bleiben muss.“
Davon ausgehend leitet S├╝├č auf das n├Ąchste und Hauptthema ├╝ber, n├Ąmlich die ÔÇ×vorgewesene Einrichtung des Bancalitaets-Amts“.[1] Dies erneut einzurichten w├Ąre vorteilhaft einerseits f├╝r die M├╝nze, andererseits f├╝r die Tilgung ÔÇ×der mit der Hochf├╝rstlichen Regierung angetretenen ├╝bergro├čen Schuldenlast“, was S├╝├č f├╝r das wichtigere h├Ąlt. Die bisherige Erfahrung habe gezeigt, dass nach Abzug der Zinsen f├╝r die Bankeinlagen sich ein ausreichender Fonds zur Schuldentilgung einrichten lasse. Die dabei versprochene Zinsh├Âhe bringe zwar viele auf den Gedanken, dass der Schaden gr├Â├čer als der Nutzen sein werde, doch sehe er keine andere M├Âglichkeit in so kurzer Zeit eine so gro├če Summe zu beschaffen, ÔÇ×als zu dieser Schuldenzahlung erfordert wird, ohne dass andere gro├če Beschwerlichkeiten und bedenkliche Verpf├Ąndungen hervorgebracht werden k├Ânnten“. Dar├╝ber hinaus sei zu ├╝berlegen, ob die Gl├Ąubiger sich sonst zu einem Vergleich bringen lassen w├╝rden, ÔÇ×wenn sie nicht das bare Geld sicher zu bekommen wissen.“ So sei zu hoffen, dass sich ÔÇ×die Gl├Ąubiger gegen prompte Zahlung zu einem namhaften und sehr erklecklichen Nachlass bequemen und dadurch das Interesse [= die Zinsen] auf einmal auf viele Jahre gewonnen ist.“ S├╝├č verweist dann noch auf das Problem, dass der Herzog den Hofkammerrat Schmidlin mit der Einkassierung der eingehenden Gelder beauftragt habe, dieser aber keine ÔÇ×Caution“ ├╝bernehmen wolle. Das bisherige Vertrauen auf die Beamten gen├╝ge aber nicht, vielmehr m├╝sse es jemand in die Hand nehmen, der eine ÔÇ×hinl├Ąngliche Sicherheit“ geben k├Ânne und ein ÔÇ×in Handel und Wandel erfahrener Mann“ sei und die Gesch├Ąfte in seiner Hand zusammenf├╝hre. In den letzten Tagen [2] sei die Erfahrung gemacht worden, ÔÇ×dass die inzwischen eingelegten Gelder meistenteils wiederum zur├╝ck gezogen wurden“ und er nicht wisse, ÔÇ×ob solches zum Versuch, ob die Gelder dazu parat liegen, oder um dieser Ursache willen [3] geschehen sei.“ Bei ÔÇ×l├Ąngerem Verweilen“ werde ÔÇ×es alsdann immer mehr M├╝he kosten, den Leuten wiederum Vertrauen und Credit [=Glaubw├╝rdigkeit] beizubringen.“
Am Ende kommt S├╝├č auf das Thema zu sprechen, wie auch die Einnahmen verbessert werden k├Ânnen und schl├Ągt neben der erw├Ąhnten ÔÇ×Land Bancalitaet“ die Errichtung eines ÔÇ×Salz-, Tabaks-, Bier-, Eisen-Handels vor (d.h. herzogliche Monopole) sowie eines ÔÇ×Stempelpapiers“ und ÔÇ×Pupillenamts“. [4]

Zusammenfassung von: Bericht von S├╝├č und Vorschl├Ąge zur Verbesserung des M├╝nzwesens und zur Einrichtung des Salz-Handels-Stempelpapiers und Pupillenamt. Staatsarchiv Baden-W├╝rttemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte. M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, Anhang, S. 235.

[1] ÔÇ×vorgewesen“: bereits am 22.10.1735 hatte es den Versuch einer Bankgr├╝ndung gegeben, der aber dann mangels Vertrauen der Anleger wieder gescheitert war.
[2] Seit einigen Tagen wurde ein neuer Versuch unternommen Anleger zu motivieren.
[3] d.h. um zu testen, ob noch Gelder zur R├╝ckzahlung vorhanden sind, oder aus ernsthaftem Misstrauen.
[4] Die Stempelpapiersteuer hatte Joseph S├╝├č schon am Anfang seiner Karriere im Dienst des Pf├Ąlzischen Kurf├╝rsten dort eingef├╝hrt, sie war dort ebenso unbeliebt wie sp├Ąter in den englischen Kolonien in Nordamerika. Mit ÔÇ×Pupillen“ (vgl. engl. pupil) sind Waisenkinder gemeint, die der staatlichen F├╝rsorge unterstehen (vgl. Deutsches Rechtsw├Ârterbuch, http://drw-www.adw.uni-heidelberg.de/drw/.). Der Zusammenhang mit der Finanzfrage ergibt sich daraus, dass die Waisenkinder in “Arbeits- und Zuchth├Ąusern” (das erste 1710 in Stuttgart) zu Zwangsarbeitern in Manufakturen ausgebildet wurden.  Cf. Meinrad Schaab / Hansmartin Schwarzmeier (Hg.: Handbuch der baden-w├╝rttembergischen Geschichte Bd. 2: Die Territorien im Alten Reich, Kommission f├╝r geschichtliche Landeskunde in Baden-W├╝rttemberg, Stuttgart 1995, S. 141.

 

3. Vorschl├Ąge zur Verbesserung der Finanzverwaltung
Memorial von S├╝├č ├╝ber das Cameralwesen [1] an Karl Alexander.

Stuttgart, 23. November 1736
S├╝├č beklagt, dass die ÔÇ×fatale Confusion, die im Cameral- und Finanzwesen universaliter eingerissen sei, sehr gro├č sei“. Die Gratialia und Confiscationes [2] h├Ątten mehr Einnahmen gebracht und die Kammer sei verbessert worden, oft habe er aus seinen ÔÇ×Privat Beutel“ mit Kredit aushelfen m├╝ssen, zuletzt mit 70.000 Gulden, die zur├╝ckzuzahlen man in der Kammerschreiberei aus Mangel an ├ťberblick nicht in der Lage sei. Um dem Grund├╝bel abzuhelfen schl├Ągt S├╝├č vor, dass alle Teilkassen in einer Generalkasse zusammengef├╝hrt werden, so k├Ânne man ÔÇ×zuverl├Ąssig wissen, nicht allein, was eigentlich einkomme und ausgegeben werde, sondern auch ob die Einnahme zu Bestreitung derer Ausgaben zureiche“, so dass der Herzog jederzeit wisse, ÔÇ×wie es mit Dero Cassen bestellt und was sowohl an Geld als auch an Naturalien vorhanden seye.“ Damit der Generalkontrolleur der Finanzen diesen ├ťberblick gewinnen k├Ânne, m├╝sse S├╝├č noch das M├╝nzwesen ├╝bergeben.[3] Der ├ťberblick in einer Hand erfordere auf der anderen Seite die Trennung der Gesch├Ąfte nach der Art der Einnahmen und Ausgaben, so dass sich jede Partikular-Kasse nur mit ihrer Sache besch├Ąftige. Dieselben Prinzipien m├╝ssten dann auch f├╝r die innere Verwaltung und die Besoldung der Besch├Ąftigten erfolgen, so dass dies zu aller Zufriedenheit erledigt werden k├Ânne. Zuletzt weist S├╝├č auf den Einwurf hin, der hierzu gemacht werden k├Ânne, ÔÇ×nemlich da├č der Belauf derer Ausgaben den Betrag derer Einnahmen allj├Ąhrlich um ein merkliches ├╝bersteige“ und von daher die Reformvorsch├Ąge nur einen Sinn h├Ątten, wenn dies ÔÇ×derma├čen ge├Ąndert werde, damit wahrhaftig sich ein ├ťberschu├č ergeben k├Ânne.“ Die negative Bilanz bisher sei auch dadurch zustande gekommen, dass Auszahlungen oft ÔÇ×in Kraft erschlichener f├╝rstlicher Verordnungen“ von einzelnen Beamten erfolgt seien, w├Ąhrend ausstehende Forderungen nicht eingetrieben wurden.

Zusammenfassung von: Memorial von S├╝├č ├╝ber das Cameralwesen. Staatsarchiv Baden-W├╝rttemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte. M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, Anhang, S. 258-262.

[1] Mit der ÔÇ×Kammer“ sind die direkten Eink├╝nfte des Herzogs aus dem ÔÇ×Kammergut“ gemeint, d.h. aus der eigenen Grundherrschaft und f├╝rstlichen Rechten, die nicht der Zustimmung durch die Landst├Ąnde unterlagen.
[2] Gratialia, w├Ârtl. ÔÇ×Gunstbezeugungen“, waren Eink├╝nfte aus dem Verkauf von ├ämtern und Titularien sowie aus der neu eingef├╝hrten Besteuerung der Beamten. F├╝r die Errichtung des Gratialamtes war S├╝├č zum ÔÇ×Geheimen Finanzienrat“ ernannt worden. Mit den Konfiskationen sind weitere hier nicht n├Ąher pr├Ązisierte Einnahmen gemeint, es k├Ânnte sich dabei um die ÔÇ×Abolitorien“ handeln, Straferlasse f├╝r Beamte bei Verfehlungen oder Dienstvergehen, die oft durch Denunziation zur Kenntnis gebracht wurden.
[3] S├╝├č hatte die Pacht der M├╝nze ├╝bernommen und wollte dies zu jenem Zeitpunkt wieder abgeben.

4. R├╝ckblick von Joseph S├╝├č Oppenheimer auf seine T├Ątigkeit f├╝r Herzog Karl Alexander
Memorial von S├╝├č an den Herzog.

Stuttgart, 11. Februar 1737 (Copie)
Einen Monat vor dem unerwarteten Tod des Herzogs schreibt Joseph S├╝├č, der zuvor schon mehrfach um seine Entlassung gebeten hatte, angesichts der Widerst├Ąnde und Anfeindungen am Hof einen R├╝ckblick auf seine T├Ątigkeit f├╝r den Herzog, in dem er seine Verdienste bilanziert.
S├╝├č legt ├╝berschw├Ąnglich dar, wie er sich im Dienst f├╝r den Herzog verausgabt hat, immer nur das Wohl des Herzogs im Auge hatte und vieles f├╝r ihn verbessern konnte, was kein anderer h├Ątte zustande bringen k├Ânnen. Vor allem sei es ihm ÔÇ×ein Vergn├╝gen gewesen, Dero F├╝rstliche Chatoull mit importanten Einnahmen […] zu versehen.“ Au├čerdem habe er dem ÔÇ×ruinierten Cameralzustand mit nicht geringer M├╝he und desto mehreren Schaden“, d.h. oft auf eigene Kosten, ausgeholfen – zuletzt mit 50.000 Gulden, ÔÇ×die niemand vorstrecken wollte“, ÔÇ×durch einen aller Orthen bey Christen und Juden habenden Credit“. Er habe dem Herzog das ÔÇ×dem Verderben nahe gewesen Hof-Oeconomie-Wesen“ vor Augen gef├╝hrt und Auswege daraus aufgezeigt und dies auch, damit die ÔÇ×Hof- und Canzley Bediensteten“, die bisher ├╝ber unregelm├Ą├čige Besoldung zu klagen hatten, zufireden gestellt werden k├Ânne.
S├╝├č geht dann auf seine zeitweilige Aufgabe als Ausr├╝ster des herzoglichen Regiments ein, das ihm erhebliche Schwierigkeiten und vor allem Konflikte mit den anderen daran Beteiligten einbrachte, da er gegen ÔÇ×Malversationen, ausge├╝bte Intriguen und Schleich“ vorgehen musste.
Dann habe er das M├╝nzwesen ÔÇ×mit Erstaunen der benachbarten Chur- und Reichsf├╝rsten und St├Ąnde dergestalten zu Stande gebracht, dass auf Zukunft […] das Werk mit gro├čem Nutzen fortgef├╝hrt werden kann“, und dies mit einer ÔÇ×fast ohnermesslichen M├╝he und Arbeit“, ÔÇ×├╝ber welches allein anderer nicht nur die Gesundheit, sondern wohl gar Leib und Leben verlohren haben w├╝rde.“ Denn bei seiner Arbeit sei er st├Ąndig hintergangen worden, ÔÇ×best├Ąndigen Machinationen und Verfolgungen“ ausgesetzt und dem Verdacht ausgesetzt gewesen, dass er sich ÔÇ×auf einer ohnerlaubte Art in dem Lande bereicherte“. S├╝├č erkl├Ąrt dann dem Herzog seine Ausgabenseite, dass er diese ihm ÔÇ×auf gn├Ądigstes Verlangen t├¬te ├á t├¬te vorzulegen“ bereit sei und der Herzog selbst am meisten von seinem Dienst profitiert habe. Da die Vorw├╝rfe gegen ihn unberechtigt weil nicht nachweisbar seien, m├╝sse das ÔÇ×Punctum Religionis ihre Rachbegierde bem├Ąnteln“.
Als Bilanz seiner T├Ątigkeit legt er dann dar, dass er (1.) im Fiskalamt Ordnung hineingebracht und Nachsicht gegen├╝ber den Schuldnern ge├╝bt habe, (2.) f├╝r die ÔÇ×f├╝rstliche Rent-Cammer auch noch von denen Besoldungen in Zukunft 5 per Centum in die Cass bekommen“ [1]. Im Gratialamt (3.) habe er die Bef├Ârderungen erstmals nach dem Prinzip der T├╝chtigkeit ohne pers├Ânliche Bevorzugung durchgesetzt und dadurch ÔÇ×in Zukunft in dem Land ein sich auf Millionen erstreckender Nutzen geschaffet“ [2]. Dann spricht S├╝├č (4.) den f├╝r den Herzog vollzogenen Juweleneinkauf an und weist auch hier Vorw├╝rfe der pers├Ânlichen Bereicherung zur├╝ck, er habe gar die Zahlungen durch selbst daf├╝r aufgenommene Kredite get├Ątigt und dabei 6% Zinsen bezahlen m├╝ssen. Am Ende thematisiert S├╝├č noch einmal im Zusammenhang die gegen ihn laufenden Intrigen um ihn aus dem Amt zu dr├Ąngen. So bittet er den Herzog: ÔÇ×[…] entweder mich noch in Zeiten, ehe und dann ich vollends gar meinen widersacher zum Opfer werde, mit Dero gn├Ądigsten Erlaubniss zu retiriren“, oder aber h├Âchstens noch ein halbes Jahr weiterhin in seinen Diensten zu bleiben, wof├╝r er dann allerdings ÔÇ×in Sicherheit gestellt werden m├╝sse“. Daf├╝r geht er dann nochmals auf die Vorw├╝rfe ein, von denen ihn der Herzog besch├╝tzen solle.

Zusammenfassung von: Memorial von S├╝├č an den Herzog. Staatsarchiv Baden-W├╝rttemberg, Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte. M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, Anhang, S. 273-280.

[1] Den Beamten erstmals auferlegte Steuer von 5%.
[2] Siehe obige Anm. zu ÔÇ×Gratialia“ unter (3). Was hier nicht zur Sprache kommt, ist, dass die Einstellungen in den Dienst wie auch die Bef├Ârderungen offenbar mit einer finanziellen Vorleistung der Interessenten verbunden war; man kann dies als ├ämterkauf bezeichnen, aus Sicht von S├╝├č war dies vermutlich eine Art Steuervorauszahlung.

5 a, b. Preziosen und Schulden – ein Luxusproblem
a) Schreiben Karl Alexanders an S├╝├č.

Ludwigsburg, 16. Juli 1735
Der Herzog schreibt dem auf Reisen befindlichen S├╝├č vermutlich nach Frankfurt von dem Erhalt eines Brillanten sowie zweier Ohrringe, beschwert sich jedoch ├╝ber den daf├╝r angesetzten Preis und will nicht mehr als 1000 Gulden zahlen. Dann soll S├╝├č noch weitere Preziosen schicken oder bei seiner R├╝ckkehr mitbringen. Dann versichert der Herzog S├╝├č seiner Gnade und r├Ąt ihm, sich von Drohungen gegen ihn ÔÇ×in seinem Tun und Lassen nicht wirr machen werde“, denn: ÔÇ×Da noch niemand von Drohen gestorben, so wird er auch dieserwegen noch lang in Meinem Land unbesch├Ądigt leben k├Ânnen.“

Zusammenfassung von: Orig. Schreiben Karl Alexanders an S├╝├č. Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte. M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, Anhang, S. 218f.

b) Schuldverschreibung des Herzogs gegen S├╝├č.

Stuttgart, 4. Januar 1737
Der Herzog beglaubigt hiermit, dass er von S├╝├č Oppenheimer ein Kapital von 100.000 Reichstalern aufgenommen habe, vor allem ÔÇ×zu Einkaufung verschiedener Juwelen“, und quittiert den ordnungsgem├Ą├čen Empfang. Er verspricht, dass, wenn die R├╝ck- zahlung nicht liquide erfolgen k├Ânne, S├╝├č dann die H├Ąlfte der n├Ąchstens eingehenden Gratial- und Confiscations-Gelder [1] erhalten m├Âge.

Zusammenfassung von: Schuldverschreibung des Herzogs gegen S├╝├č. Transkription von Selma Stern, in: Selma Stern: Jud S├╝ss. Ein Beitrag zur deutschen und zur j├╝dischen Geschichte. M├╝nchen (G. M├╝ller), 1929/1973, Anhang, S. 265.

[1] Siehe obige Anm. dazu unter (3).

 

 

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